Renatus  Deckert ______________

 

Victor Klemperer in Dresden

Zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2021 erschien im Feuilleton der »Berliner Zeitung« die Erzählung »Muschel«. Eine Spurensuche in Dresden mit dem Tagebuch von Victor Klemperer.


Dem Haus in Strehlen sah man nicht an, was darin geschah. Klein und unscheinbar stand es an der Straße. Idyllisch fast.

Ich stand davor und schaute. Prägte mir jedes Detail ein. Die Haustür, die Fensterläden, den grünen Zaun.

Ich fragte mich: Wie schläft es sich in diesen Mauern?

 

 

 

Alle meine Toten

In Heft 1/2021 von »Sinn und Form« erzähle ich von schweren Geburten und Todesanzeigen, von Begegnungen mit Peter Rühmkorf, Oskar Pastior und Wilhelm Genazino und einigen Krokodilen.
 

Stoisch hatte der Taxifahrer das Fahrtziel »Literaturhaus« zur Kenntnis genommen. Nach zehn Minuten hielt er vor einem großen Gebäude, in dem kein Licht brannte. Als wir ihn fragten, wo jetzt das Literaturhaus sei, zeigte er auf die Inschrift über dem Portal: »Haus der Natur«.

Noch heute sehe ich das Gesicht von Katja Lange-Müller vor mir, der Autorin von »Verfrühte Tierliebe«, die fassungslos ausrief: »Sehen wir aus wie Krokodile?«

 

 

 

Die Bienen und der Krieg

Am 4. Oktober 2020 stand in der Wiener Tageszeitung »Der Standard« die Erzählung »Die Bienen und der Krieg«.

 

Eines Morgens sagt sein Vater zu ihm: »Kümmere du dich um die Bienen!«

Zwischen den Sachen seines Bruders findet er ein Buch: »Illustriertes Lehrbuch der Bienenzucht«. Er nimmt es an sich und liest jeden Tag darin.

Als er es ausgelesen hat, schreibt er mit grüner Tinte hinein: »Eigenthümer: Aufreiter Karl, Imker«.

 

 

 

Das Japanische Palais

In der »Süddeutschen Zeitung« vom 12. Februar 2020 habe ich von meinem Großvater, dem Dresdner Bibliothekar Helmut Deckert, erzählt.

Kürzlich habe ich die Arbeit an meinem ersten Roman »Das Japanische Palais« beendet.

Der Schauplatz ist das Japanische Palais in Dresden, in dem sich bis 1945 die Sächsische Landesbibliothek befand.

Erzählt wird die Geschichte von Arndt Eckmann, der ab 1934 im Palais arbeitet.

Er erlebt die Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme auf die Bibliothek, das Lesesaalverbot für den jüdischen Romanisten Victor Klemperer, die Auslagerung der Bücher und den Krieg.

Erzählt wird außerdem von seiner Liebe zu Emilie Compter, die kurz vor Kriegsbeginn seine Frau wird, den Luftangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 jedoch nicht überlebt.


Wo wird der Roman erscheinen? Die Verlagssuche hat gerade begonnen.

 

Wie mich die Liebe traf

»Und Gott war ein Buchhändler« heißt eine Erzählung, die im Oktober 2018 im Weissbooks Verlag erschien.

In der Geschichtensammlung »Zwischen den Büchern« schreiben dreizehn Schriftsteller darüber, »wie mich die Liebe in der Buchhandlung traf«.

Unter den Autorinnen und Autoren finden sich Namen wie Sergio Bambaren, Artur Becker, Urs Faes, Petra Hartlieb, Lídia Jorge, Anthony McCarten und Perikles Monioudis.

 

Noch am selben Abend klingelte bei mir das Telefon. Als ich abnahm, hörte ich ihre Stimme, und wieder wagte ich kaum zu atmen.

Seither weiß ich, daß Gott manchmal ein Buchhändler ist.